Die Figuren aus "Das Erbe Bereliens"

 

Vor gut zwanzig Jahren habe ich zum ersten Mal ein Portrait von "Ioarín" gezeichnet. Damals hieß sie übrigens völlig anders, doch dann stieß ich - wenn auch weitere Jahre später - in einem Buch auf genau den Namen, den ich ihr ursprünglich verliehen hatte. Da er recht ungewöhnlich war, wollte ich ihn nicht "kopieren". Somit musste ein neuer her. Also habe ich einen halben Vormittag über einem Haufen Notizzettel am Esstisch gebrütet, wo ich völlig sinnfrei Vokale und Konsonanten aneinanderreihte und vor mich hin murmelte. Am Ende war ich mit dem Ergebnis glücklich und die anderthalb Stunden schwitzen, murmeln, fluchen und Haare raufen hatten sich gelohnt, wenn das Endergebnis auch nur ein einziges Wort war, bei dem es aber sofort "Klick" gemacht hatte.

Oben erwähnte Zeichnung existiert längst nicht mehr. Irgendwo fliegt noch ein Schnappschuss von mir rum, wo man die Zeichnung im Hintergrund an einer Pinwand hängen sieht, aber wo dieser Schnappschuss sein soll ... keine Ahnung!

Da ich es aber ganz nett fand, meinen handelnden Figuren auch eine sichtbare, äußere Gestalt zu verleihen, habe ich mich mit Bleistift und Block in eine Ecke verzogen, um zu schauen, wohin das Ganze führt. Die Resultate könnt ihr hier sehen. Ich ergänze die Figuren in loser Reihenfolge um weitere Bilder.

 

Rune Quinhazel

 

Zugegeben: Sie ist die obligatorische Sechzehnjährige. Allerdings sollte meine Heldin jung genug sein, um noch eine Eltern-Kind-Beziehung zu brauchen und zu pflegen (oder Vater-Kind, sie ist ja Halbwaise), aber alt genug, um sich im Ernstfall alleine behaupten zu können. In ihrer Figur sollte eine gehörige Portion Trotz und Widerspruchsgeist schlummern, etwas Unberechenbares, das sie immer wieder Entscheidungen treffen lässt, die sie vorher besser noch einmal überdacht hätte. Da sie zudem im Verlauf der Geschichte eine Liebesbeziehung eingeht, wäre eine jüngere Figur nicht in Frage gekommen, auf eine ältere hätten wiederum ihre Charaktermerkmale nicht gepasst.

Rune ist impulsiv, lässt sich selten den Mund verbieten, kann sehr altklug daherkommen und manchmal mangelt es ihr am nötigen Respekt ihrer Umwelt gegenüber - aber immer trägt sie ihr Herz auf dem rechten Fleck.

Nur widersprechen sollte man ihr nicht allzu oft - das erzeugt gewaltigen Gegenwind.

Sie ist eben ein kleiner "Windbalg".


Galen von Althain

 

Galen von Althain ist Lady Ioaríns Leibwächter, Liebhaber und Mädchen für Alles. Man nennt ihn daher nicht umsonst ihren "Hund" oder "Schatten". Seit seinem vierzehnten Lebensjahr lebt er auf der Königsfestung Ban Berel und hat seine Heimat Althain seitdem nicht mehr wiedergesehen. Stattdessen wird er von seinem Vater, der die Nähe zum Königshaus sucht, zu einer militärischen Ausbildung gedrängt, die er erfolgreich durchläuft. Als zwischen Berelien und den benachbarten Salzlanden ein Krieg ausbricht, ist Galen sechzehn. Sein Eingreifen in das Kampfgeschehen bedeutet die entscheidende Wende zugunsten Bereliens - doch was an diesem Tag in der Schlacht mit ihm geschieht, wird sein Leben unwiderruflich auf dramatische Weise verändern.


Lady Ioarín

 

Die Königsgattin ist bei ihren Untertanen verhasst. Ihr werden etliche unheimliche Fähigkeiten nachgesagt, darunter die, in die Gedanken ihres Gegenübers eindringen zu können.

Ioaríns einziges Bestreben ist es, in den Besitz der drei Fragmente des steinernen Buches zu gelangen. Dafür opfert sie alles und geht selbst über Leichen.

Um ihr Ziel zu erreichen, bedient sie sich nicht nur ihres Leibwächters Galen. Ihr Lehrling Malghraigh Simhannon, mit dem sie ihr dunkles Wissen teilt, und seine geheimnisvolle Essenz sind ihre tödlichsten Waffen im Kampf gegen die, die sich zwischen Ioarín und die Buchfragmente zu stellen wagen.

 


Fionn Higgins und Pelerin

 

Fionn Higgins ist oft in Begleitung seines Falken Pelerin. In dem abgeschiedenen Slyga betreibt er das Gasthaus "Zur letzten Herberge". Nach dem Verlust ihres elterlichen Hofs findet Rune dort Zuflucht. Nur zur Ruhe kommt sie nicht, denn die ungeheuerliche Geschichte, durch die Fionn die Legende vom steinernen Buch mit der Vergangenheit ihres Vaters verknüpft, treibt sie auf der Suche nach der Wahrheit weiter.

Fionn, der nichts lieber will, als alles auf sich beruhen zu lassen, wird durch Runes Unrast in die weiteren Ereignisse verwickelt. Dabei kommt es zwischen den beiden mehr als einmal zu Spannungen. Doch letztlich ist es der Umgang mit seinem ganz eigenen Erbe, woran er sich messen lassen muss.

 


Malghraigh Simhannon

 

Malghraigh ist etwa sechs Jahre alt, als man ihn auf der Königsfestung Ban Berel einer Gauklertruppe abkauft, die ihn zwei Jahre zuvor mutterseelenallein im Wald aufgelesen hat. Er ist eine ruhelose, dunkle, gebrochene Seele. Fatalerweise findet er ausgerechnet unter Ioaríns Fittichen Unterschlupf. Diese ungesunde Schüler-Meisterin-Beziehung wird über die Jahre immer enger und erreicht ihren Höhepunkt in der Entdeckung der sogenannten "Essenz". In den Tiefen der Festung unterhält er Laboratorien für seine Experimente an Menschen, mit deren Hilfe er die Natur des menschlichen Geistes ergründen will.

Malghraigh ist skrupellos, frei von jeder Empathie und völlig zerfressen von seinem Hass auf Runes Vater, der ihn abwies, als er Hilfe am bittersten nötig hatte. Diesen Hass wird auch Rune zu spüren bekommen, denn Malghraighs Rachedurst ist mit dem Tod ihres Vaters noch lange nicht gestillt.

 


Kjell

 

Kjell darf sich mit Fug und Recht als Fionns engsten Freund bezeichnen. Er und seine Malin stammen von den Eisbann-Inseln, einer Inselgruppe, die weit im Norden auf dem offenen Meer ein Bollwerk zwischen der Küste und den schwimmenden Eisbergen bildet. Ein schwerer Schicksalsschlag hat die beiden vor vielen Jahren aufs Festland verschlagen, wo sie schließlich - wie Fionn - in Slyga gestrandet sind und gemeinsam mit ihm "Die letzte Herberge" betreiben. Kjells wahre Leidenschaft sind Heilpflanzen. Gegen fast jede Krankheit hortet er irgendwo ein Kraut. Möchte man ihm eine große Freude bereiten, stellt man ihm ein Fässchen Met aus Plaan vor die Nase. Ich muss gestehen, bislang habe ich weder herausfinden können, was Met aus Plaan von anderen Met-Sorten unterscheidet, noch wo Plaan überhaupt liegt.


Malin

 

Wo Kjell ist, da ist auch seine Frau Malin nicht weit. Die kleine Malin reicht Kjell gerade einmal bis zur Achsel, aber ihr Ego ist so riesig, dass sie ihren Mann damit dreimal in die Tasche steckt. Malin kann gnadenlos ehrlich sein, was Rune das ein oder andere Mal schmerzlich erfahren wird, aber im Grunde genommen ist sie eine Seele von Mensch. Unterschätzen darf man sie hingegen nicht, denn wenn es darauf ankommt, kämpft sie mit Klauen und Zähnen um das, was ihr lieb und teuer ist.


Heather

 

In "Die Legende vom steinernen Buch" begegnet Rune der Schankmaid Heather im Gasthaus "Zum Richterbaum" in Aun. Heather, deren hevorstechendes Merkmal ihr geschorener Kopf ist, reagiert äußerst unfreundlich auf Rune, die sich in der Verkleidung des Schustergesellen Bleir im "Zum Richterbaum" einquartieren will. Erst nach und nach wird Rune bewusst, dass sich hinter Heathers rauer Schale eine zutiefst verletzte junge Frau versteckt, die der brutalen Willkür ihres Vormunds Sellwitsch, dem Inhaber des Gasthauses, hilflos ausgeliefert ist. Wozu Sellwitsch fähig sein kann, erfährt Rune am eigenen Leib, und es ist Heather, die ihr aus der Patsche hilft, ohne sich darum zu kümmern, was es sie kosten wird.

In Band 3, der aktuell den Arbeitstitel "Das Erbe Bereliens - Facrióna" trägt, werden wir mehr über Heather, ihre Herkunft und ihr Schicksal erfahren.

 


Yoan le Seligneur

 

Herr der Salzlande, Sohn von Loic le Seligneur, zu dem Galen von Althain eine ganz besondere Verbindung hat, was der Grund dafür ist, dass die erste Begegnung zwischen Yoan und Galen unter keinem guten Stern steht.

Yoan stammt von der Kouevarrod, der Kupferküste, ist Anfang zwanzig und ein ungestümer junger Mann, für den Angst ein Fremdwort ist. Wenn es darum geht, die Interessen der Salzlande und seiner Leute zu verteidigen, ist er zäh, leidenschaftlich und beweist Mut zum Risiko. Nur in Herzensangelegenheiten lässt er jeglichen Wagemut vermissen. Da würde man ihm manchmal gerne einen Schubs geben. Einen sehr festen Schubs!